Plattenfirma oder DIY? – Ein Interview mit Jörg von ECHOZONE

cmfblog-diy

Im Backstage Pro Artikel Musikvermarktung in der heutigen Zeit habe ich mit Jörg von Echozone und Torsten von Dr. Music Promotion über Vermarktungsstragien von Musik gesprochen. Ergänzend dazu möchte ich an dieser Stelle noch ein paar O-Töne nachreichen, die aus Kapazitätsgründen im Originalartikel keinen Platz fanden.

Im ersten Teil kommt Jörg zu Wort, der unter dem Dach der Bob Media GmbH mehrere Labels betreut. Zunächst ausschließlich Echozone, 2016 übernahm er von Andreas Bob (nun Manager von u.a. RAGE) auch die Labels Fastball Music und Sonic Revolution.

Jörg, wo siehst du heutzutage die Kernaufgabe eines Labels?

Die Kernaufgaben von Labels haben sich in den letzten 50 Jahren kaum geändert. Lediglich das Arbeitsfeld und die Medien sowie Technologien haben das Arbeitsspektrum erweitert. Durch moderne Technologien und vor allem das sich sehr stark veränderte Konsumentenverhalten, sind Labels aber mehr denn je dazu angehalten neue Wege der Vermarktung einzuschlagen und neben traditionellen Betätigungsfeldern auch permanent technologische Entwicklungen voraus zu sehen und zu nutzen.

Sind Plattenfirmen denn nun vermehrt Dienstleister?

Plattenfirmen waren schon immer Dienstleister, indem sie der Band die Arbeit der Vermarktung und den Vertrieb abgenommen hat. Nur wurde die Plattenfirma früher meistens in Form von Lizenzerlösen aus den exklusiv übertragenen Rechten bezahlt, indem sie für ihre Arbeit an den Erlösen der Verkäufe mit einem großen Teil beteiligt war. Dies funktioniert für ein Label im Rahmen eines Lizenzvertrags aber nur solange wie sich die Musik in gewissem Umfang auch verkaufen kann. Dies gilt auch für Beteiligungen an den Urheberrechten – Stichwort: Verlagsvertrag.

Für welche Bands lohnt sich die Zusammenarbeit mit Labels und wer fährt mit DIY besser?

Ein Label ist dann sinnvoll, wenn die Band mit eigenen Mitteln die Vermarktung der Musik auf dem Niveau der eigenen Erwartung zeitlich nicht mehr stemmen kann, oder die finanziellen Resourcen für Werbung und Vertrieb nicht hat. Vielen Bands fehlen auch die Kontakte oder Vertriebsmöglichkeiten, ebenso fehlen oft Einblicke in die Struktur der Musikindustrie und der Überblick was man auch als Band alles auf den Weg bringen muss, um sich überhaupt vermarkten zu können. Möchte man als Band mehr in den Medien stattfinden, sich professionell vermarkten lassen und hat auch den Anspruch international mehr Fans und damit Kunden zu erreichen, dann macht die Zusammenarbeit mit einem Label durchaus Sinn. Dabei ist es aber vom Grundsatz unerheblich, ob man das Label für die Leistung direkt bezahlt, oder einen Lizenzvertrag macht, denn hier ist der einzig wesentliche Unterschied die Rechte- und Risikoverteilung.

Ist das Konzept „Album“ noch haltbar oder werden künftig vermehrt Songs „on the fly“ releast werden?

Das Konzept „Album“ ist sicher noch haltbar, da die meisten Bands auch gezielt eine Kollektion von Songs produzieren, die nicht selten auch thematisch sowie musikalisch zusammen passen. Schon aus künstlerischer Sicht macht da ein Album Sinn, welches für die meisten Bands auch Meilensteine ihrer Entwicklung sind, die abgeschlossen werden wollen. Was sich aber parallel entwickelt ist die Veröffentlichung von vielen einzelnen Songs um das Album herum. Die konstante Veröffentlichung von einzelnen Songs oder auch Mini-EPs ist heute fast schon notwendig, da die Aufmerksamkeitsspanne der Zuhörer aufgrund der medialen Überreizung immer geringer wird. Insofern muss man als Band heute viel konstanter aktiv sein, und kann es sich nicht erlauben auch nur mal 1-2 Monate gar nichts zu machen. Ausnahme sind sicherlich etablierte Bands, die auch mal ein paar Jahre Pause machen können, aber diese etablierten Bands sind noch nicht einmal ein Bruchteil von einem Promille aller Bands, die heutzutage auf den Markt sind.

Herzlichen Dank an Jörg für diese interessanten Einblicke! Im nächsten Artikel geht es dann mit denn ergänzenden O-Tönen von Torsten (Dr. Music Promotion) weiter.

Habt ihr Fragen oder möchtet etwas ergänzen? Dann nutzt gerne das Kommentarfeld!