Interview: Corinna von miteinander.world | Vegan & Metal – geht das?

Als Corinna gegen 01:00 Uhr ihren Essensstand abbaute und ich ihr mangels zusätzlichen Personals zur Hilfe kam, stellte ich erschrocken fest, dass die Gute zuvor offenbar stundenlang in einer großen Pfütze stand. Der Regen muss irgendwann Abends seinen Weg unters Pavillon gefunden haben. Dies hielt sie jedoch nicht davon ab von Mittags bis Mitternachts auch den letzten Gast noch zu bedienen.

Vor Ort hörte ich über ihre angebotenen Gerichte – Chili Sin Carne, Sate & Gulasch – nur Gutes. Umso erstaunter war ich, dass sich später einige Besucher online beschwerten. Jedoch wohl nicht wegen des Geschmacks, sondern einfach aus Prinzip, da sämtliche Speisen vegan waren.

Eine Grundsatzdebatte an dieser Stelle anzustoßen steht mir nicht zu. Ich ernähre mich zwar selbst seit gut einem Jahr vegetarisch, was jedoch auch hin und wieder den obligatorischen McDoof Besuch oder die ein oder andere Sünde außer Haus miteinschließt. Deshalb ließ ich die Kochkünstlerin lieber selbst zu Wort kommen und bat sie mir ein paar Fragen zu beantworten.

Liebe Corinna, wie hat es dir bei unserem Festival gefallen und dürfen wir dich in Zukunft erneut einladen?

„Als ich vor einem Jahr die Anfrage bekam, ob ich das Catering beim Cologne Metal Festival übernehmen würde, war ich wahrscheinlich genau so verwundert und erstaunt wie einige Festival-Besucher, als sie mich am 7.10. bei Euch sahen. Ich hab mich getraut, es ausprobiert und kann sagen, dass ich mich bei Euch sehr wohl gefühlt habe.“

Welches Feedback hast du vor Ort von unseren Besuchern bekommen?

„Das Feedback vor Ort war durchweg positiv, was sich darin zeigte, dass viele ein zweites Mal bei mir gegessen haben.“

Seit wann bist du mit deinem Anhänger unterwegs? Lebst du ausschließlich von Catering und co.?

„2011 habe ich zum ersten Mal für einen Tierrechtsverein veganes Essen auf dem Weihnachtsmarkt in Much verkauft. Daraus ist die Idee für mein Unternehmen entstanden. Ich habe mir einen alten Wohnwagen gekauft, diesen mit meinem Mann zum Food-Anhänger umgebaut und mich Anfang 2015 selbständig gemacht. Anfangs war ich ausschließlich auf Trödelmärkten unterwegs. Dann kamen Festivals, Messen und Catering dazu. Seit einem Jahr ergänze 1-2 mal die Woche die Kantine einer Firma mit meinem Angebot. Das ist mein Job, der mich ausfüllt und der mich glücklich macht.“

Deine Gerichte sind Fleischgerichten nachempfunden. Ist den Leuten überhaupt immer bewußt, dass deine Gerichte auf Soja-Eiweiss basieren?

„Es gibt tatsächlich viele, die bei der Bestellung über meine Menükarte ‚fliegen‘, nach dem Essen fragen um was für ein Fleisch es sich handeln würde und dann erstaunt sind, wenn ich sage ‚kein Fleisch‘. Wir sind die Generation, die mit Schnitzel, Gulasch und Rouladen groß geworden ist. Mit meinem Essen möchte ich zeigen, dass wir nicht auf diesen ‚bekannten‘ Geschmack verzichten müssen, dass es aber auch ohne Fleisch geht. Und es gibt viele tolle Gerichte ohne Fleischersatz. Sehr beliebt ist auch mein Indisches Cocos-Curry, die mediterrane Nudelpfanne und bei Groß und Klein der Wirsingeintopf.“

Seit wann lebst du selbst vegan und was war der Hauptauslöser dafür?

„Wie ich auch auf meiner Internetseite schreibe, unterstütze ich seit einigen Jahren den Tierrechtsverein Artis e.V. Dieser hat vom Tod bedrohte sogenannte Nutztiere aufgenommen. Seitdem ich diese streichel, kann ich kein Tier mehr essen. Das war die größte Veränderung. Den Weg zum Veganen bin ich schrittweise gegangen. Nicht alles hat mir geschmeckt, an Kaffee ohne Milch habe ich mich mit der Zeit gewöhnt. Auch hat sich über die Jahre viel getan : Die Sojaprodukte sind mittlerweile super und lassen sich sehr gut verarbeiten.“

Unser Team, die Musiker und viele Gäste auf der Terrasse waren von dem Essen sehr begeistert. Waren die bisherigen Onlinereaktionen die Stimmen der Minderheit, oder wollt ihr wirklich keinen veganen Stand mehr auf dem Cologne Metal Festival? Und wußtet ihr übrigens, daß wir Wiedereinlass gewähren? Was haltet ihr von der Kompromisslösung ‚Veganes Catering auf der Terrasse und Döner auf dem Vorplatz‘?

Lasst was von euch hören und habt weiterhin eine schöne Woche – alle miteinander!

One thought on “Interview: Corinna von miteinander.world | Vegan & Metal – geht das?

  1. Ich wollte zugegebenermaßen eigentlich nicht vegan essen, habe deswegen extra das Gulasch genommen und hätte auch niemals gedacht, dass das auch vegan war! 😀 Sehr, sehr lecker! Meinetwegen auch gern im kommenden Jahr wieder… 🙂

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