Underground: Bang, Doom, The End

Verschlissene Teppiche zieren die Wände, das dunkelrote Licht hüllt den Raum passend zu den zähen, weiten Klängen aus der PA ein. Matratzen, Stoffe und Kerzen laden zum abtauchen ein. Ja, das ist sie – meine Subkultur.

Mit einem Bein bin ich hier, mit dem anderen selbst in den disruptiven, digitalen Welten verankert. Jetzt wo der Abschied naht, wird mir bewusst, dass ich in den letzten Jahren viel zu selten hier war. Es ist gut gefüllt, aber es sind weniger Leute da als erwartet. Gemütlich isses, aber irgendwie wäre es wenige Tage vor dem Abriss doch ganz nett, den Laden kochen zu sehen.

„Haha, man sieht ja gar nichts!“ Jenny @ Bad Selfie 😉

Wir suchen uns ein nettes Plätzchen, trinken ’ne Cola und halten die Klappe. Meine Freundin kann das auf Knopfdruck. Abschalten, Musik genießen, Gedanken schweifen lassen. Ich nerv sie erst mal mit ’nem Selfie und muss mich eingrooven. Überhaupt ist jeder hier anders. Alle Weggeh-Typen sind vertreten: Die laut lachende Clique, der einsame Vollbartgrummler, die Pärchen, die „wasn-das-hier“-Touristen und sich ruhig unterhaltende Grüppchen.

„Aufs Maul für den Seelenfrieden“

Das Party-Konzept „Bang Doom Bang“ war von jeher genial. Die deepe, massive und ausufernde Wand an Doom-, Sludge- und Post-Rock Klängen hüllt das ganze Geschehen ein wie dicker Nebel, obwohl hier niemand raucht. Chill-Out für diejenigen, die es härter brauchen. Ruhe für Menschen, die Lärm mehr entspannt, als Meditation. Aufs Maul für den Seelenfrieden. Aus dem „Stündchen vorbeischauen “ werden ein paar mehr.

„Geht zurück“ sage ich lächelnd

Der Tradition halber ist mein letztes Getränk ein Becks. Trotz Erkältung. Den letzten Schluck trinke ich direkt am Tresen. „Geht zurück“ sage ich lächelnd. Wer auch immer den Bagger fährt, der diese Kulturstätte noch diesen Monat zur Ruine macht – davon gepflegt die Hütte abzureissen wird er nie so viel verstehen, wie das Underground und die Ehrenfelder Szene selbst.

Vor einigen Wochen sprach ich übrigens mit den Betreibern des Undergrounds über das Ende der Location, eine mögliche Fortführung und die Ehrenfelder Kulturszene allgemein. Den Artikel findet ihr hier auf Backstage Pro.

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